Der Hiddensoer Künstlerinnenbund

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E. Büchsel: Fischer am Strand | J. Wolfthorn: Selbstportrait | C. Arnheim: Inselblick

Der Hiddensoer Künstlerinnenbund wurde nicht, wie in vielen Quellen zu lesen, 1922, sondern bereits 1919 von zunächst zehn Malerinnen auf der Ostseeinsel gegründet, wie eine Notiz in den Kunstnachrichten vom 15. November 1919 belegt.

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Der Text der Notiz: Hiddensöe. Eine Anzahl Malerinnen hat sich zu einem Hiddensöer Künstlerinnenbund zusammen getan

Die kleine Ostseeinsel wurde damit Schauplatz der Moderne in Sachen Frauenkunst - trotz Abgelegenheit und nicht einmal existierender Stromversorgung. Dennoch nicht von ungefähr, war doch Hiddensee zu Beginn des 20sten Jahrhunderts der Sommertreffpunkt für die künstlerische Avantgarde Berlins. Die beteiligten Malerinnen - in der ihnen eigenen, zurückhaltenden Art - hinterließen allerdings kein Manifest, und wenn doch, hätte es »Malweiber sind wir nicht« überschrieben werden können. Denn zu den als Malweibern bezeichneten Frauen, denen als auffällige gesellschaftliche Erscheinung des beginnenden 20. Jahrhunderts diese abfälligen Bezeichnung galt, gehörten professionelle Malerinnen, wie sie im Hiddensoer Künstlerinnenbund zusammengeschlossen waren, nicht. Der Unterschied zwischen einem »Malweib« und einer echten - professionellen - Künstlerin bestand vor allem im Verständnis der so genannten Frauenfrage. »Wenn Einer Eine fragte, ob er sie heiraten will« war nach einer Formulierung von Julie Wolfthorn die typische Malweiberfrage. Den Malerinnen des Hiddensoer Künstlerinnenbundes ging aber um ihren höchst eigenständigen und eigenwilligen Beitrag zur modernen Kunst. Ihre Frauenfrage lautete: »Malen Frauen anders?«. Ihre Antwort ist heute noch aktuell: Sie findet sich gerade in der Vielfalt künstlerischer Absichten und Ausdrucksformen, für die dieser Bund stand.

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Ankündigung der Ausstellungen

Henni Lehmann, Clara Arnheim und Elisabeth Büchsel bildeten den Vorstand des Bundes, der allerdings keinen Wert auf eine geordnete juristische Existenz legte, denn er wurde weder in einem Vereinsregister offiziell eingetragen noch führte er ein Mitgliederverzeichnis. Aber es gab ein Ausstellungs- und Ateliergebäude: die Kunstscheune in Vitte, dem Hauptort der Insel, heute die Blaue Scheune genannt.

Dem Hiddensoer Künstlerinnenbund gehörten Malerinnen unterschiedlicher Stilrichtungen an, die aus ganz Deutschland kamen und in der Kunstwelt bereits einen Ruf hatten. Auf der Insel Hiddensee trafen sich die Frauen, um gemeinsam zu arbeiten, auszustellen und zu verkaufen - vor allem (aber nicht nur) Motive von Hiddensoe und der Waterkant.

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Katharina Bamberg: Steilküste